Interview mit den Spitzenkandidaten der Gablinger SPD bei der Gemeinderatswahl 2020

Veröffentlicht am 12.01.2020 in Kommunalpolitik

Silke Haarmann und Helmut Grieshaber

Warum kandidieren Sie als Gemeinde­rätin/­-rat bei der Kommunalwahl 2020 für die Gablinger SPD?

Wofür würden Sie sich besonders einsetzen als Gemeinde­rätin/­-rat?

Wie soll das künftige Ortszentrum von Gablingen aussehen?

Dies sind nur einige Fragen eines Interviews mit den Spitzenkandidaten der Gablinger SPD bei der Kommunalwahl 2020:

Silke Haarmann und Helmut Grieshaber

 

 

  • Die SPD hatte schwierige Zeiten in den letzten Jahren. Weshalb sind Sie in diese Partei eingetreten?

              Silke Haarmann:

Mir war und ist es wichtig, dass die solidarischen Werte, die die Sozialdemokratische Partei vermittelt, nicht verloren gehen. Die SPD ist eine große Volkspartei und hat in all den Jahren so viel bewirkt. Es ist heute so wichtig, „Flagge zu zeigen“ und gegen den rechten Populismus anzutreten.

 

Helmut Grieshaber:

Die Errungenschaften der Sozialdemokratie seit Gründung der SPD vor über 150 Jahren wie Frauenwahlrecht, Sozialversicherung, geregelte Arbeitszeiten, Urlaub, Mindestlohn usw. sind Säulen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens und der sozialen Gerechtigkeit. Sie dürfen nicht aufgegeben werden sondern müssen, gerade in der heutigen Zeit der Radikalisierung und Polarisierung, weiter entwickelt und modernisiert werden. Für diese bevorstehenden großen Aufgaben besitzt für mich die SPD die größte soziale Kompetenz in unserem demokratischen Rechtsstaat.

 

  • Warum kandidieren Sie als Gemeinderätin/-rat bei der Kommunalwahl 2020 für die Gablinger SPD?

             Silke Haarmann:

Unser Gemeinderat muss weiblicher werden und braucht Zukunftsvisionen:  Gablingen soll doch keine gesichtslose Schlafstätte im Speckgürtel von Augsburg werden. Neue Anforderungen und Aufgaben sind da, das haben wir in der SPD Ortsgruppe erkannt und Lösungen gefunden: von der Gemeinwohlökonomie bis zu Angeboten für Senioren, von der offenen Jugendarbeit bis zu neuen Mobilitätskonzepten – das möchte ich mit einbringen.

 

Helmut Grieshaber:

Um so wichtige Aspekte des sozialen,  ökologischen  und nachhaltigen Zusammenlebens aber auch Transparenz und Kontakt zur Bevölkerung verstärkt in den Gemeinderat einzubringen.

  • Wofür würden Sie sich besonders einsetzen als Gemeinderätin/-rat in Gablingen?

              Silke Haarmann:

Gablingen mit seinen Ortsteilen als Wohn- und Lebensorte muss für junge Familien gestärkt werden: Kinder müssen in Kindergärten und in der Grundschule gut betreut werden. Wir müssen auch schleunigst für die nun heranwachsenden Jugendlichen in allen Ortsteilen offene Räume schaffen: offene Jugendarbeit oder leicht erreichbare Treffpunkte wie ein „Chill-Area“.

Neue, angemessene Angebote für Senioren müssen geschaffen werden,  dabei werden das Freiwilligenzentrum und die Vereine gestärkt.  Und wir müssen weiter daran arbeiten, öffentliche Räume barrierefrei zu gestalten.

Was aber ganz wichtig ist: wir brauchen bezahlbaren Wohnraum. Sollen wir denn weiter zuschauen, wie unsere erwachsen gewordenen jungen Menschen und junge Familien auf der Suche nach bezahlbaren Wohnungen wegziehen ?

Und als langfristige  Vision ist die Umsetzung des Konzepts der Gemeinwohlökonomie in unserer Kommune wichtig: damit können sozialen Interessen mit ökologischen Zielsetzungen und wirtschaftlichen Aspekten in Einklang gebracht werden.

 

Helmut Grieshaber:

Für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, von alten- und behindertengerechten öffentlichen Einrichtungen, von Versammlungsmöglichkeiten dezentral in den Ortsteilen für alle Generationen (Kaffeetisch, Grillplätze, Chilloutareas etc.).

Die bedarfsgerechte Kinderbetreuung ist zu gewährleisten.

Für den Einbezug der Bevölkerung in wichtige Entscheidung sowie damit verbunden öffentliche Gemeinderatsabstimmungen.

Für die Vergabe von Leistungen an ökologisch und nachhaltig wirtschaftende Unternehmen.

Ausbau der innerörtlichen Busverbindung zum Bahnhof.

Klimaneutraler Ausbau von öffentlichen Gebäuden sowie Anschaffung von klimaneutralen Gerätschaften und Fahrzeugen für die Gemeinde.

Anstreben des Wirtschaftsmodells der Gemeinwohlökonomie.

 

  • Was bringen Sie an Lebens- und Berufserfahrungen mit für ein Gemeinderatsmandat?

Silke Haarmann:

Mein Lebensmotto ist: Es gibt viel zu tun, packen wir es an. Seit bald 20 Jahren bin ich als Rechtsanwältin selbstständig in einer eigenen Kanzlei in Augsburg in den Schwerpunkten Arbeitsrecht und Arzthaftungsrecht  tätig.  Dabei betreue ich auch eine Schlichtungsstelle nach dem Bayerischen Schlichtungsgesetz. Ich arbeite mich schnell in neue Bereiche und Sachverhalte ein, erfasse die Kernprobleme und erarbeite zielführende Lösungen. Wichtig ist dabei eine sachgerechte und ausgewogene Interessensvertretung.  Als Schlichterin weiß ich, dass in Streitfällen meist immer eine für alle Seiten tragbare Lösung gefunden werden kann.

Im Ehrenamt bin ich daneben Prüferin bei der IHK Schwaben: die meist jungen Prüflinge zeigen mir, dass sie neue und andere Anforderungen an zukünftige Arbeit und ihr Leben haben. Ich habe gelernt, dass wir offen sein müssen, für neues Denken:  wir müssen Neues denken.

Und klar: als stets vollberufstätige Mutter eines nun erwachsenen Sohnes habe ich ein Zeitmanagement gelernt: Prioritäten müssen gesetzt, Ziele dürfen nicht aus dem Auge gelassen werden.

 

Helmut Grieshaber:

Verantwortung als Familienvater von drei Kindern.

25 Jahre Berufserfahrung als Bauingenieur im Umwelt- und Gewässerschutz sowie im Tief- und Hochbau. Bei der Planung, Durchführung und Abwicklung von Projekten bin ich im ständigen Kontakt mit Kommunen und Genehmigungsbehörden.

Aktivitäten in verschiedenen Vereinen.

Erfahrungen als ehemaliges Mitglied im Pfarrgemeinderat sowie Beisitzer im Kirchenvorstand.

Erfahrungen als Gründungsmitglied und ehemaliger Vorstand des Bürgervereins Gablingen Siedlung.

 

  • Was möchten Sie als erstes verändern, wenn Sie gewählt werden?

              Silke Haarmann:

Mehr Offenheit in der Gemeindepolitik: es muss mehr und breiter diskutiert werden, auch wenn das nicht immer einfach ist. Nur dies schafft Vertrauen!

 

Helmut Grieshaber:

Einführung von mehr Transparenz gegenüber der Bevölkerung in der Gemeindepolitik. Vor wichtigen Entscheidungen müssen die Bürgerinnen und Bürger eingebunden werden.

 

  • Was hat Ihnen besonders missfallen in der jetzigen Legislaturperiode im Gablinger Rat?

              Silke Haarmann:

Man hatte oft das Gefühl, es geht nichts voran: z.B. die unendliche Geschichte um die Gestaltung der Ortsmitte. Jetzt sollen auf den letzten Metern doch noch Entscheidungen für die Bebauung getroffen werden. Dabei wäre es sinnvoll, zukunftsweisende Entscheidungen dem neuen Gemeinderat zu überlassen. Es fehlen Zukunftsvisionen für die Schaffung einer lebenswerten Kommune.

 

Helmut Grieshaber:

Die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit. Wichtige Entscheidungen wurden hinter verschlossenen Türen in nicht öffentlichen Abstimmungen getroffen.

 

  • Wie soll das künftige Ortszentrum von Gablingen aussehen?

              Silke Haarmann:

Aus meiner Sicht muss in der Ortsmitte bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum geschaffen werden. Ein Treffpunkt für Bürgerinnen und Bürger, für Alt und Jung muss entstehen. Im Mittelpunkt der Gemeinde müssen auch Dienstleister der Grundversorgung wieder Fuß fassen können.

 

Helmut Grieshaber:

Ausreichendes Angebot von günstigem Wohnraum mit Anlagen für behindertengerechtes und betreutes Wohnen.

Versammlungsmöglichkeit mit attraktiver Bewirtung.

Parkanlage mit Sitzgelegenheiten und Brunnen als generationenübergreifender zentraler Treffpunkt.

 

  • Was erwarten Sie von einer neuen Bürgermeisterin / einem neuen Bürgermeister?

              Silke Haarmann:

Offenheit für Diskussionen, Visionen, fern ab von politischen Lagern. Entscheidungsfindungen müssen mit mehr Bürgerbeteiligung transparent gestaltet werden.

 

Helmut Grieshaber:

Mehr Transparenz und Offenheit. Zugänglichkeit für alle Bevölkerungsschichten.

 

  • Haben Sie eine Zukunftsvision für Gablingen? Wie soll sich der Ort weiterentwickeln?

Silke Haarmann:

Natürlich lebt Gablingen von dem Ruf und Charme des dörflichen Charakters. Es besteht die Gefahr, eine reine Wohn- und Schlafgemeinde zu werden. Das Beste an Gablingen sind gerade nicht die Züge nach Augsburg und München.

Gablingen muss daher für alle Bevölkerungsteile lebenswert sein:  Angebote für junge Familien, Jugendliche und Senioren müssen aufrechterhalten, ausgebaut und verbessert werden. Der Lebens- und Freizeitwert des Wohnortes ist zu steigern und die Zugehörigkeit zum Ort zu stärken.

 

Helmut Grieshaber:

Die Entwicklung einer sozialen, ökologischen und nachhaltigen Gemeinde. Ein Wohlfühlort im Sinne des Gemeinwohls.

 

  • Was halten Sie von dem Wirtschaftsmodell „Gemeinwohlökonomie“?

              Silke Haarmann:

Dies ist eine sehr gute Vision für unsere Kommune. Gemeinwohlökonomie will mehr als „nur“ Klimaneutralität, sie gibt einer Kommune die Grundlage für ein umfassenderes Handeln. Sie ergänzt als ethisches Wirtschaftsmodell die Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft. Nicht Gewinnmaximierung, sondern das Wohl von Mensch und Umwelt sollen oberstes Ziel des Wirtschaftens sein. Werte wie z. B. ökologische Nachhaltigkeit, bürgerliche Mitbestimmung und Transparenz erhalten dabei eine größere Bedeutung.

Natürlich ist dies ein langfristiges Ziel, aber es ist eine lohnenswerte Vision. Denn eines muss uns klar sein: die Welt ist im Wandel und der macht nicht vor Gablingen halt.

 

Helmut Grieshaber:

Die Gemeinwohlökonomie ist für mich das Wirtschaftsmodell der Zukunft. Wir sind an den Grenzen des Wachstums angelangt. Neues Denken zum Wohle der Gesellschaft ist zwingend erforderlich.

 

  • Was soll die Bundes-SPD künftig anderes machen, um wieder erfolgreicher zu sein?

              Silke Haarmann:

Ich bin erst seit Ende 2019 Mitglied in der SPD und ich bin es mit Überzeugung geworden. Die Bundes-SPD hat viel richtig gemacht und war mit den letzten Gesetzesinitiativen sehr erfolgreich. Die Partei muss ihre Erfolge besser verkaufen und es schaffen, sich nicht immer wieder den „Makel des Abstiegs“ anhängen zu lassen. Die SPD muss als Volkspartei mit großer Tradition viel selbstbewusster auftreten. Soziale Demokratie lebt von Beteiligung, die in alle Richtungen geht. Dies wird in der SPD und auch vor allem in meiner Ortsgruppe in Gablingen gelebt. Und das ist gut so.

 

Helmut Grieshaber:

Rückbesinnung auf das Godesberger Programm und die sozialdemokratischen Werte vor der Ära Schröder

 

Danke für das Interview !

 
 

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